Samstag, 23. April 2016

Heuschreckenplage...!?

.....oder schöne neue Nähwelt?

 Auch die Nähszene hat sich, wie fast alles in den letzten Jahren, stark verändert. War es noch vor ein paar Jahren eine Gemeinschaft, in der man sich wohl fühlt, Tipps und Tricks austauscht und im Großen und Ganzen einen respektvollen Umgang pflegt, ist es heute wie in einem Haifischbecken. 


Handarbeit war lange Zeit „aus der Mode“ – Selbstgenähtes, Gestricktes oder Gehäkeltes war einfach nicht gefragt. Dem Bewusstsein junger Mütter ist es zu verdanken, dass sich dies nachhaltig geändert hat. Tatsächlich ist gerade Babykleidung oftmals chemisch verseucht und wird unter menschenunwürdigen Bedingungen in asiatischen Kleiderfabriken hergestellt, wodurch sich dieser Trend zum Teil auch erklären lässt. 


Lederpuschen und Pumphosen sowie bequeme Oberteile aus Öko-Stoffen waren also gefragt. Daraus hat sich rasend schnell ein regelrechter Nähwahn entwickelt – jedoch nicht wirklich aus ökologischen Gründen, sondern weil sich dadurch auch für viele eine neue Einkommensquelle eröffnet hat. Wie ein Buschfeuer breitet sich dieser Trend immer weiter aus und hinterlässt massenhaft „verbrannte Erde“. Diese „Newsews“, wie ich sie nenne, scheinen unter dem Motto “was die kann, kann ich auch“ zu handeln und bringen damit das einstige Qualitätsmerkmal „reine Handarbeit“ in Verruf. 


Wer auf Märkten verkauft, kann unter anderem beobachten, dass nicht nur die Verkäufer, sondern auch die Kunden ein ganz anderes Klientel sind, als noch vor wenigen Jahren. Die „Newsews“ kaufen vorzugsweise den günstigsten Stoff, den sie finden können und tackern irgendwie die Schnittteile zusammen. Hauptsache es sieht aus wie ein Kleidungsstück. Die so produzierten Einwegartikel werden weit unter angemessenen Preisen angeboten, halten oftmals nicht bis zur ersten Wäsche oder sind spätestens danach schlichtweg Müll. Logischerweise machen die auf diese Art und Weise „geprellten“ Kunden zukünftig einen Bogen um Handarbeit und werden ihrem Umfeld bestimmt von der negativen Erfahrung berichten. Auch auf Dawanda und ähnlichen Plattformen sind solche Artikel sehr häufig zu finden. Eine erfahrene Näherin erkennt diese Artikel auf den ersten Blick, aber von den „normalen“ Kunden kann man das natürlich nicht erwarten. Somit ruinieren die „Newsews“ nicht nur den Ruf von Handarbeit, sondern auch die Preise am Markt. 


Sätze wie: “Ich nähe seit zwei Monaten und möchte ein Gewerbe anmelden“ sind in verschiedenen Facebookgruppen täglich mehrfach zu lesen. Warum es grade in der Nähwelt so selbstverständlich ist, ohne Grundkenntnisse eine selbständige Tätigkeit aufzunehmen, bleibt mir ein Rätsel. Keine dieser Damen kommt auf die Idee, Backwaren mal eben so zu verkaufen, wobei viele bestimmt weitaus besser backen, als sie nähen. Auch kommen Männer nicht auf die Idee zu sagen, ich kann einen Reifen wechseln, ich melde mal eben ein Gewerbe dafür an.... 


Die „Newsews“ sind auch sehr stark in den Sozialen Netzwerken anzutreffen. Wie eine Heuschreckenplage greifen sie überall dort zu, wo es kostenlose Nähanleitungen und Schnittmuster zu bekommen gibt. Ungeachtet der Arbeit, die in solchen Anleitungen steckt, kommen nur wenige auf die Idee, sich bei denjenigen, die ihr geistiges Eigentum kostenlos zur Verfügung stellen, zu bedanken. 


Weiter ist zu beobachten, dass es nicht mehr reicht, Selbstgenähtes zu Dumpingpreisen zu verkaufen, man muss ein „eigenes Design“ raus bringen. So ist es mittlerweile gang und gebe, Schnittmuster aus Fachzeitschriften zu kopieren oder eben kostenlose Anleitungen direkt unter dem eigenen Namen weiter zu verkaufen. 


 An dieser Stelle möchte ich betonen, dass damit nicht mein kürzlicher Vergleich zweier Geldbörsen-Ebooks gemeint ist. Mir ging es nie darum, einem jungen Label zu schaden, ich hatte Lisa vorschnell in einen Topf mit den „Newsews“ geworfen. Da gehört sie wirklich nicht hin! Durch unseren privaten Schriftwechsel bin ich überzeugt, dass wir in Zukunft noch viel Positives von Hansedelli hören werden :-) 


Auf diesen Vergleich gab es dabei die unterschiedlichsten Reaktionen: Auch manch anderen Leuten war eine Ähnlichkeit aufgefallen, doch viele fanden das nicht schlimm. Es gebe ja auch viele sehr ähnliche Hosenschnitte usw., da sei doch nichts dabei, war häufig zu lesen. Woher kommt das? 


Die Erstellung einer guten Anleitung ist sehr zeitaufwändig und ein gutes Ebook wird von erfahrenen Näherinnen getestet. Eine gute Probenäherin wird von der Ebookerstellerin gebeten, die neue Anleitung zu testen und nicht aus unzähligen Bewerbungen ausgewählt. Noch so ein Hype, den ich nicht nachvollziehen kann. Wenn jemand mit unzureichenden Grundkenntnissen glaubt, eine Anleitung schreiben zu müssen und diese dann von ebenso unerfahrenen „Newsews“ getestet wird, kann das doch nur nach hinten losgehen. Da kann man auch nicht erwarten, dass eine gravierende Ähnlichkeit mit bekannten Anleitungen auffällt. Denn es ist auch die Aufgabe einer guten Probenäherin, auf so etwas aufmerksam zu machen.


Nähen ist ein Jahrtausende altes Handwerk, das sollte man sich immer vor Augen halten, bevor man davon spricht, ein „neues Design“ „erfunden“ zu haben.

 

Ich bin sicher, dass auch diese „Heuschreckenplage“ vorübergehen wird. Viele, die glauben, das schnelle Geld zu machen, sind genau so schnell wieder weg, wie sie gekommen sind. Natürlich ohne sich Gedanken darüber zu machen, einer Branche geschadet zu haben. 


Auch in der Nähwelt gibt es nichts geschenkt – ohne Fleiß kein Preis! Nicht derjenige, der am günstigsten verkauft, wird sich etablieren, sondern derjenige, der durch Qualität überzeugt.   Es wird einem zwar sehr leicht gemacht, dieses Hobby zum Beruf zu machen, trotzdem sollte man sich diesen Schritt sehr gut überlegen und im Vorfeld überprüfen, welche gesetzlichen Regelungen es zu beachten gilt. 


An dieser Stelle möchte ich mich noch bei Lisa von Hansedelli bedanken, mit der ich mich mittlerweile nicht nur regelmäßig austausche, sondern die mir sogar beim Feinschliff für diesen Artikel ein wenig zur Seite gestanden hat. :-)


 In diesem Sinne Happy Sewing 

Liebe Grüße Silke

Donnerstag, 14. April 2016

Total geblendet.....

....bin ich zwar immer noch und ich stehe nach wie vor hinter dem was ich geschrieben habe, aber ich habe keine Lust auf endlose Diskussionen und vor allem möchte ich nicht, das die Person hinter Hansedelli glaubt ich würde ihr ihren Erfolg missgönnen. Dem ist nicht so. Ich habe ihr das bereits auf Facebook geschrieben und wiederhole es auch gerne hier. 

Mir gefällt was sie näht, sonst wäre ich nicht in ihrem Shop gelandet!

Da ich nicht die Urheberin von Reini bin möchte ich das an dieser Stelle so stehen lassen. 

 Einen schönen Sonntag und liebe Grüße

 Silke

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